Ehegewohnheiten

• 8 Minuten Lesezeit • von Frank

Dein Partner ist der wichtigste Mensch in deinem Leben. Wenn du das anders siehst, sind Probleme vorprogrammiert. Wenn du allerdings diese Sicht hast, wird dein Partner für dich und du für ihn zu einer Quelle der Kraft.

Im Schöpfungsbericht sagt Gott, dass er den (einen) Menschen als (1/2) Mann und (1/2) Frau schuf (1.Mo 1,27)

Das heißt, dass ein Single-Mann oder eine Single-Frau genau genommen nur ein halber Mensch ist, in dem Sinne, dass einige wichtige Bedürfnisse wie Sexualität nicht gestillt werden können.

Allerdings muss der Ehrlichkeit halber auch gesagt sein, dass im Angesicht der Verlorenheit der Welt das Neue Testament dem Singlesein viel abgewinnen kann. Paulus wirbt dafür (1.Kor 7) und der Herr Jesus selbst hat es vorgelebt. Aber soll jetzt nicht unser Thema sein.

Während meiner Zivildienstzeit in einer Jugendherberge verbrachte ich viel Zeit mit den Hauseltern. Die beiden waren für mich so etwas wie Mutter und Vater in dieser Zeit. Eines Tages nahm er mich beiseite um mir eine wichtige Weisheit mit auf den Weg zu geben. Er sagte zu mir: Meine Frau ist mein bester Freund. Merk dir das, das ist wichtig! Und tatsächlich hatten die beiden eine gesunde Ehe und haben schon so manche Krise wie den Tod eines schwerbehinderten Sohnes gemeistert.

Mir war der Gedanke, dass die Frau der beste Freund ist, damals neu. Ich kannte das so nicht. Ich lebte in einer Welt, wo die Frau gerne mal im Spaß „Meine Alte“ oder „Chefin“ genannt wurde.

In Gottes Augen ist meine Frau meine „zweite Hälfte“ oder „mein Fleisch“ (1.Mo 2,24). Wir gehören zusammen. Ich weiß, dass es sich krass anhört, aber meine Frau bin „Ich“ und ich bin meine Frau (Eph 5,28). Das ist genau der Gedanke den Paulus meint, wenn er sagt, dass die beiden ein Fleisch sind. Trennen sich zwei, hinterlässt das zwei kaputte Menschen. Schiebt sich jemand dazwischen, wie etwa die Eltern oder Schwiegereltern, ein intensives Hobbie oder die Kinder, gerät die Ehe in eine gefährliche Schieflage und BEIDE erleben viel Schmerz und seelische Zerstörung.

Ich verwende gerne folgendes Bild, das die Schöpfungsordnung veranschaulichen soll: Gott hat den Fisch geschaffen, damit er in Freiheit im Wasser lebt. Dort kann er sich nach Herzenslust in alle Richtungen bewegen, er findet genügend Nahrung und ist frei.

Stell dir vor, der Fisch würde sich eingeengt fühlen und auf das Land flüchten. Er würde ersticken und vertrocknen. Nun hat Gott gesagt: die Beiden die verheiratet sind, sind zusammengefügt. Sie sollen sich lieben und einander dienen. Tun sie das, sind sie frei und glücklich. Sie leben innerhalb der Schöpfungsordnung. Ist ihnen das zu blöd und die beiden brechen aus oder setzen andere Maßstäbe, werden sie wie der Fisch an Land. Sie werden innerlich ersticken und vertrocknen.

So viel Kraft die Liebe gibt, so viel Kraft nimmt der Streit in einer Ehe. Es ist deswegen überlebenswichtig sich über gute Ehegewohnheiten Gedanken zu machen.

Einige der Ratschläge, die ich Dir weitergeben will, habe ich in dem Buch „Quality Time“ von Bernd C.Trümper gefunden. Ich kann dir das Buch uneingeschränkt empfehlen. Dort findest du außerdem wertvolle Hinweise, wie du Beziehungen zu den Kindern, Eltern, Freunden und zu Gott vertiefen kannst. Mittlerweile gibt es auch das Buch „Quality Time in der Ehe“.

Im Folgenden will ich dir Tipps für eine gelingende Ehe geben.

Ungestörte Ehezeit

Die wichtigste Gewohnheit, die ein Ehepaar haben sollte sind ungestörte Zeiten zu zweit. Mindestens 3-4 Stunden pro Woche. Wenn ihr diese Gewohnheit etabliert, habt ihr das Wichtigste schon richtig gemacht.

Für meine Frau und mich sind das, der kleinen Kinder wegen, unser Eheabend. Wir haben ihn schon zu Beginn unserer Ehe etabliert. Es ist ein fester Termin in der Woche, der nur im absoluten Notfall nach Absprache verschoben aber nicht aufgehoben wird. Unsere Kinder wissen das und dürfen uns nur im Notfall stören. Für diesen Abend bestellen wir uns meistens etwas Leckeres zum Essen und holen an Kommunikation auf, was in der trubeligen Woche nicht zur Sprache kommen konnte.


Sexualität

Sexualität ist der Klebstoff in der Ehe, das was nur die Ehepartner ausschließlich miteinander verbindet. Aber es ist mehr. Sexualität ist auch ein starkes Bedürfnis, das Gott in uns hineingelegt hat. Jemand hat mal gesagt, dass es die stärkste Triebkraft ist, die uns Menschen bewegt. Sexualität ist etwas Schönes und Erfüllendes und es kann nur vom Partner gegeben werden. Das ist der Grund, warum es verbindet und klebt. Meine Frau, die zugleich mein bester Freund ist, stillt mein Verlangen und dafür bin ihr dankbar und fühle mich immer wieder zu ihr hingezogen.

Sexualität sollte eine Gewohnheit werden. Manchmal ist die Quantität für die Qualität verantwortlich. Wenn mir z.B. das Lesen schwer fällt und ich es zu einer Gewohnheit mache und ein Jahr lang regelmäßig und viel lese, wird mir das Lesen dann mehr oder weniger Spaß machen? Richtig! Mehr, weil ich es besser kann. Genau so ist es bei der Sexualität. Es gibt Ehepaare, die viel zu selten miteinander schlafen und dann keine Freude mehr dabei empfinden.
Die Lösung: Sich dem anderen schenken. Regelmäßig. Nicht nur weil man Lust hat, sondern einfach weil es gut ist (1.Kor 7,3). Eine gute Gewohnheit könnte also sein, das mit dem Eheabend zu verbinden. Seelisches zusammenkommen fördert auch immer das körperliche Zusammenkommen.

Kommunikation

Es gibt verschiedene Ebenen der Kommunikation. Die uns geläufigste ist der Smalltalk und der organisatorische bzw. informative Austausch. Da wir beseelte Wesen sind, haben wir aber auch ein Bedürfnis uns innerlich auszutauschen und auf eine tiefere Art zu kommunizieren. Das braucht allerdings Zeit und eine Wohlfühlumgebung. Es ist notwendig so etwas zu haben, um als Ehepaar eine tiefe Freundschaft am Laufen zu halten. Plant das als Gewohnheit. Das kann ein täglicher Spaziergang sein oder die ungestörte Ehezeit.

Gib deinem Partner durch Fragen die Erlaubnis zu reden. Oft kommt kein erfüllendes Gespräch zustande, weil einer nur erzählt und der andere nicht zuhören will. Gewöhne dir an gute Fragen zu stellen. Damit hilfst du dem anderen zu reden und stellst dich selbst auf das Zuhören ein. Eine Hilfe können Fragekarten sein wie z.B. „Noch mehr Gespräche der Liebe für Paare“ von Gary Chapman.

Ein gutes Gespräch lebt vom Zuhören. Einer meiner Freunde besuchte einmal den berühmten Bibellehrer William MacDonald. Etwas nervös ging er die Treppen eines einfachen Mietshauses nach oben. Wie wird es wohl sein, wenn man einer so wichtigen Persönlichkeit begegnet? Im Wohnzimmer saßen sich beide gegenüber. Zu seiner Überraschung interessierte sich MacDonald brennend für ihn. Er machte sich Notizen, als dieser erzählte, wie er zum Glauben gekommen ist und stellte allerlei Fragen. Er benahm sich so, als hätte er den Kaiser von China selbst vor sich. Noch Jahre später erinnerte sich dieser Freund lebhaft an dieses denkwürdige Gespräch, bei dem er so viel Wertschätzung erhielt.


Eheurlaube

Die 3-4 Stunden Ehezeit sind die wichtigste Gewohnheit. Vor allem wenn sie mit guter Kommunikation gefüllt sind. Nach einiger Zeit stellt sich ein gesundes Bedürfnis ein, mehr Zeit mit dem Partner zu verbringen.

Gerade in einem hektischen Alltag mit kleinen Kindern kommt bei mir nach einiger Zeit der Wunsch auf, dass die Mutter für 1-2 Tage wieder zur Freundin wird.
Wir haben das Glück Großeltern zu haben, die uns zweimal im Jahr unsere Kinder für ein Wochenende abnehmen. Einmal in der ersten Jahreshälfte und in der Zweiten. Entweder bleiben wir dann zuhause und unternehmen Ausflüge, sitzen am Abend lange zusammen und genießen anregende Unterhaltungen oder wir wünschen uns zum Geburtstag einen Hotelgutschein und machen einen Miniurlaub.
Solche Urlaube beflügeln uns für Wochen und helfen ungemein den Alltag wieder frisch in Angriff zu nehmen.

Nette Gesten

Sehr empfehlen kann ich an dieser Stelle das Buch die „Fünf Sprachen der Liebe“ von Gary Chapman.
Die fünf Liebessprachen sind:

  • Lob und Anerkennung
  • Zweisamkeit
  • Geschenke
  • Hilfsbereitschaft
  • Zärtlichkeit

Chapman sagt, dass jeder Mensch all diese Gesten braucht um sich geliebt zu fühlen. Allerdings sind nicht jedem alle Liebesgesten gleich wichtig.

Bei mir ist es z.B. Zärtlichkeit. Ich fühle mich dann geliebt, wenn meine Frau mich in den Arm nimmt und mich ganz feste drückt. Bei meiner Frau ist es Hilfsbereitschaft. Sie fühlt sich dann besonders geliebt, wenn ich ihr helfe den Alltag mit den Kindern zu meistern.
Weil ich das weiß, habe ich mir entsprechende Gewohnheiten angeeignet, wie den Müll raus zu tragen, die Kinder am Abend versorgen oder den Tisch abräumen.

Lob kann nicht überschätzt werden. Mark Twain wird der Satz zugeschrieben: „von einem guten Kompliment kann ich zwei Wochen leben“.

Auch die Bibel mahnt einander zu ermutigen (1.Thes 5,11)

Positiv Denken

Diese Gewohnheit wird oft unterschätzt. Es sind aber die Gedanken, die zu Handlungen führen. „Aus der Fülle des Herzens redet der Mund“ sagte Jesus (Luk 6,45). Denke über das Gute an deinem Partner nach. Eine gute Gewohnheit könnte sein in der Gebetszeit eine Liste zu erstellen mit all den Dingen wofür du dankbar bist an deinem Partner.

Oder du könntest dir vornehmen deinem Partner einmal am Tag ein Kompliment zu machen. Auf der kreativen Suche nach Komplimenten wird dein Denken automatisch verändert.

Gewohnheitscheck

  • Wie viel Zeit möchtest du mit deinem Partner verbringen?
  • Wann und wo habt ihr ungestörte Ehezeit?
  • Plant einen gemeinsamen Eheurlaub
  • Welche Liebessprache spricht dein Partner?
  • Welche Gewohnheiten könntest du dir aneignen um seine Liebesbedürfnisse zu stillen?

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