Gelebte Gewohnheiten - Jürgen Fischer

• 3 Minuten Lesezeit • von Jürgen Fischer

Jürgen Fischer ist leidenschaftlicher Prediger und Betreiber der Website: www.frogwords.de. Er zählt zu den Vorbildern, die mich auf meinem Glaubensweg am meisten geprägt haben.
Im Februar 2021 habe ich ihm die Frage gestellt, welches seine TOP 5 Gewohnheiten sind. Folgendes gab er mir zur Antwort:

 

1.  Ein (meist) täglicher,  langer Gebetspaziergang, um Fürbitte zu tun und meine Sorgen und Sünden  loszuwerden. Ohne meinen Spaziergang im Wald geht irgendwie gar nichts.  Vgl. Lukas 5,16. 

2. Ein wöchentlicher Ruhetag, der  den Namen verdient. 24 Stunde privater Lockdown für meine Seele. Keine  Arbeit, keine Gemeindesorgen, einfach nur runterkommen. Vgl. Markus 6,31

3.  Im Anschluss an meinen Gebetsspaziergang (noch im Wald) wiederhole und  lerne ich Bibelverse. Es sind diese stillen, nachdenklichen, betenden,  hörenden Zeiten, in denen ich Gottes „Stimme“ am deutlichsten hören  kann. Vgl. Mt 4,4

4. Noch einmal Bibelverse. Wenn  Gott mich durch Buch, Predigt, Gespräch anspricht, lerne die die  dazugehörigen Verse auswendig, um sie nicht zu vergessen. Vgl. Lukas  8,18

5. Guter Input in Form von interessanten  Büchern/Predigten (nicht der aktuelle Trend), die mir einen Einblick und  einen Überblick verschaffen. Zur Zeit lese ich ein Buch mit Zitaten von  Kirchenvätern, Fox Book of Martyrs (deutsche Übersetzung), Septuaginta  auf Deutsch und eine Einführung in Dogmatik. Ich lese weniger  systematisch als früher, aber ich lasse mich gern „treiben“… 

6.  3-5 Stunden Bibelstudium Vers für Vers mit Hilfe eines guten  Kommentars. Zur Zeit 1Timotheus mit dem Kommentar von Mounce. Unsere  Zeit favorisiert die Themen-Predigt, das Themen-Buch, aber ein eigenes  Schriftverständnis lebt vom Kauen und Nachdenken der Originaltexte

vielleicht noch drei „Nachzügler“, die irgendwie nicht als  statische Gewohnheit, aber eben doch als Prinzip zu den Gewohnheiten  hinzutreten: 

1. Ich  achte sehr bewusst darauf, dass ich meiner Frau durch Worte, durch  Anfassen, durch intime Zeiten vermittle, dass sie meine Königin ist.  Jetzt weiß jeder, der meine Predigten zum Hohelied kennt, dass  Bewunderung und Intimität der Schlüssel einer schönen Ehe sind, aber ich  merke leider nur zu deutlich, dass – wie beim Ruhetag – die meisten  Christen diesen Ratschlag nicht beherzigen und ihre Ehe den langsamen  Romantiktod sterben lassen. Hiermit einher geht ein Rechenschaftspartner in punkto Pornografie, um mich an dieser Front nicht gehen zu lassen. 

2.  Ich nehme den Begriff „sich von der Welt unbefleckt zu erhalten“ (o.a.  2Petrus 2,8) ernst. Ich würde ihn gern noch ernster nehmen, aber ich achte sehr auf die Dinge, die ich sehe und höre (Serien, Krimis, Artikel…). Als kreativer Mensch gibt es leider immer wieder Phasen, wo ich mich dann doch an ein weltliches Angebot verliere (ich meine dabei nicht gleich die Hardcore-Sünde, sondern einfach nur, dass ich meine Seele unnötig beschwere… oder dass ich dissoziiere und nicht mehr präsent bin und mich leben lasse, statt zu leben).  Ich merke, dass ich  da noch mehr Distanz lernen will. Hier spielen natürlich auch Themen wie  Spiele, Social Media oder Kulturangebote mit rein. 

3. Ich verbiete mir den Ärger auf meine Frau

noch ein grundsätzlicher Gedanke zu guten Gewohnheiten: 

Ich orientiere mich bei dem grundsätzlichen Gedanken an den Schutzzielen meines Lebens. Also erst überlege ich mir, wofür ich verantwortlich bin, dann wie ich dieser Verantwortung im Rahmen meiner zeitlichen, finanziellen, emotionalen,  altersbedingten… Möglichkeiten nachkommen kann und dann lege ich die grundsätzlichen Gedanken  als statische Größen fest, die Kern-Schutzziele flankieren. Neben den grundsätzlichen Gedanken  gibt es dann ebenso aus den Schutzzielen abgeleitet aktuelle kleinere  Routinen, die das Erreichen kurzfristiger Schutzziele sicherstellen. 

Bsp.  die grundsätzlichen Gedanken sichern mein Gebetsleben. die kleineren Routinen sichern mein aktuelles Sportziel (das 2021 als Schutzziel nicht zu den Kern-Schutzzielen zählt, weil ich letztes Jahr viel Sport getrieben habe. Da war es nämlich als Folge der Herz-OP-Reha-Maßnahmen ein Kernschutzziel!). Ich hoffe ich bin nicht zu kompliziert, aber ich genieße es, in meinem Leben zu wissen, WARUM ich etwas tue bzw. warum nicht. Die gG sichern die emotionale Nähe zu meiner Frau, die kleineren Routinen stellen sicher, dass ich diese Woche früher ins Bett gehe. 

Übrigens ist mir noch eine echte 7. gute Gewohnheit eingefallen. Ich schreibe einmal in der Woche auf, womit mich der Herr in der zurückliegenden  Woche beschenkt hat.

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